Prüft alles, das Gute behaltet!
„Prüft alles, das Gute behaltet!“
Die Jahreslosung aus dem 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 5, Vers 21 ist eine Aufforderung des Apostels Paulus an die Gläubigen in Thessaloniki. Diese Aufforderung steht nicht für sich allein, sondern ist in einer Auflistung mit verschiedenen Anweisungen an die Gläubigen eingebettet. Zunächst liest sich diese Aufforderung leicht, denn das Gute zu behalten, das möchte jeder.
Wenn wir jedoch etwas länger über diese Worte nachdenken und den Kontext – sowohl den unmittelbaren als auch den gesamtbiblischen – beachten, dann ist mit dieser Aussage vielleicht etwas anderes gemeint, als mir beim flüchtigen Lesen dieses Verses in den Sinn kommt.
Als ich über diese Aufforderung aus dem 1. Thessalonicherbrief nachgedacht habe, die auch für uns, Gläubige des 21. Jahrhunderts, gilt, sind mir zwei Fragen wichtig geworden:
- Wer bestimmt, was gut ist?
- Worauf konkret bezieht sich diese Aufforderung? Was meint also Paulus mit dem Guten?
Nun zur ersten Frage: Wer bestimmt, was gut ist? Mir sind dazu zwei bekannte Bibelabschnitte eingefallen. Ganz am Anfang der Bibel, im Schöpfungsbericht, lesen wir, dass Gott das Universum erschuf – unsere Erde, die Sterne, die Natur, alle Tiere und auch die Menschen sind durch GOTTES Willen und SEIN Reden entstanden. Abgeschlossen wird der Schöpfungsbericht mit den Worten (1.Mose 1,31):
Und Gott sah alles, was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut.
Gott erschafft durch sein allmächtiges Reden. Das Erschaffene ist sehr gut, weil es von einem vollkommenen Schöpfer kommt.
Den anderen Abschnitt finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 18. Ein Mensch mit einer höheren Stellung kommt zu Jesus und spricht ihn mit „Guter Meister“ an. Jesus erwidert ihm (Lukas 18,19):
Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!
Ich möchte hier nicht auf den Sinn des ganzen Abschnittes in Lukas 18,18 eingehen. Mir geht es um die Beobachtung, dass Jesus Gott als jemanden absolut und exklusiv Guten bezeichnet. Man könnte sicherlich noch mehr Bibelstellen finden, die Gott bzw. SEIN Handeln als gut bezeichnen (z. B. Psalm 25,8; Psalm 86,5 …).
Wenn GOTT absolut gut ist und SEIN Handeln und Reden Gutes hervorbringt, dann muss unsere Entscheidung über gut oder nicht gut an Gott und seinem Wort gemessen werden! Dann bedeutet, das Gute zu behalten, nicht das, was mir als gut erscheint, oder das, was ich gut finde, zu behalten, sondern das, was Gott mir sagt. Weil Gott gut ist und wir Menschen sein Ebenbild sind, müssen und dürfen wir SEIN Gutsein in unserem Leben reflektieren.
Jetzt wollen wir noch klären, worauf sich diese Aufforderung konkret bezieht. Oft wird die Aufforderung aus 1.Thessalonicher 5,21 nur auf den vorhergehenden Vers bezogen. Dort heißt es:
Die Weissagung verachtet nicht!
Weissagung heißt so viel wie Lehre/Predigt. Schlussfolgernd würde es bedeuten, dass wir Lehre nicht verachten sollen – aber bitte nur das Gute behalten sollen. Das macht mit der von uns erarbeiteten Definition des Guten nicht wirklich Sinn. Lehre, die nicht gut ist, orientiert sich nicht an Gott, hat nicht Gott und sein Wort zum Gegenstand und ist somit Irrlehre.
Dem Heiligen Geist ging es in diesem Abschnitt nicht darum zu sagen: Hört euch so viel Lehre wie möglich an, aber nur die „gute“ Lehre behaltet. Vielmehr gibt uns Paulus schon ab Vers 12 eine Liste mit Dingen, die gut sind, sprich, die Gott in unserem Leben bewirken will und erwartet. Es ist keine vollständige Liste, die wir abhaken und sagen können: „Jetzt habe ich alles geschafft.“ Vielmehr zeigt uns Paulus die Richtung und schließt dann mit den Versen 21 und 22 ab: Prüft alles, das Gute behaltet! Haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt! Lasst uns unbeirrt das Gute von Gott her definieren und behalten.