Tief verankerte Spuren
„Wohl dem Menschen, dessen Stärke in dir liegt, wohl denen, in deren Herzen gebahnte Wege sind! Wenn solche durch das Tal der Tränen gehen, machen sie es zu lauter Quellen, und der Frühregen bedeckt es mit Segen.“
Eine kleine Gruppe der Jugend hat sich diesen August 2026 zu einem Ausflug in die Schweizer Berge aufgemacht. Samstagmorgen traf man sich, fuhr gemeinsam los und kam nach etwa vier Stunden am Zielort an.
Auf ein freundliches Anfragen hatte man einen Parkplatz bei einem älteren Mann bekommen, der sein Anwesen in der Nähe der Gipfelwege hat. Anschließend begab man sich auf den Weg. Ein erster Anstieg, ein Zwischenziel bei einer Hütte und weiter. Zwischendurch eine Trinkpause und weiter. Dann ein Rasten an einer Aussichtsplattform, ein Gespräch mit vorbeilaufenden Wanderern und weiter. Und dabei immer darauf achten, den markierten Wegen zu folgen, den weiß-rot-weißen Markierungen, die den Gebirgspass zeigen. Nach mehrfacher Wegverlängerung kam man am Abend auf einer Bergfläche an, mit Blick auf den Bodensee. Dort entzündete man ein kleines Feuer im Camping-Kocher, erwärmte damit eine Fertig-Suppe und redete miteinander.
Als man am Feuer saß, wollte man noch einen Bibeltext lesen, entschied sich für einen Psalm, schlug die Psalmen auf und landete bei Psalm 84:
1Dem Vorsänger. Auf der Gittit. Von den Söhnen Korahs. Ein Psalm. 2Wie lieblich sind deine Wohnungen, o HERR der Heerscharen! 3Meine Seele verlangte und sehnte sich nach den Vorhöfen des HERRN; nun jubeln mein Herz und mein Leib dem lebendigen Gott zu! 4Hat doch der Sperling ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für sich, wo sie ihre Jungen hinlegen kann: deine Altäre, o HERR der Heerscharen, mein König und mein Gott! 5Wohl denen, die in deinem Haus wohnen; sie preisen dich allezeit! (Sela.) 6Wohl dem Menschen, dessen Stärke in dir liegt, wohl denen, in deren Herzen gebahnte Wege sind! 7Wenn solche durch das Tal der Tränen gehen, machen sie es zu lauter Quellen, und der Frühregen bedeckt es mit Segen. 8Sie schreiten von Kraft zu Kraft, erscheinen vor Gott in Zion. 9HERR, Gott der Heerscharen, höre mein Gebet; du Gott Jakobs, achte darauf! (Sela.) 10O Gott, unser Schild, sieh doch; blicke auf das Angesicht deines Gesalbten! 11Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend; ich will lieber an der Schwelle im Haus meines Gottes stehen, als wohnen in den Zelten der Gottlosen! 12Denn Gott, der HERR, ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Herrlichkeit, wer in Lauterkeit wandelt, dem versagt er nichts Gutes. 13O HERR der Heerscharen, wohl dem Menschen, der auf dich vertraut!
Psalm 84 (Schlachter 2000)
Nach dem Lesen tauschte man sich über den Psalm aus. Herausgestochen hatten insbesondere die Verse 6 und 7. Wohl dem, dessen Stärke im lebendigen Gott liegt, der gebahnte Wege in seinem Herzen hat. Die Bergwege werden trittsicherer, breiter und übersichtlicher, je öfter man sie geht. So ist es auch mit den Wegen Gottes im Herzen. Geht man eine Straße einmal, ist sie kaum sichtbar und verblasst nach kurzer Zeit, geht man sie aber schon ein zweites, drittes oder viertes Mal, fällt es einem immer leichter und es bleiben Spuren. Spuren, die irgendwann tief verankert sind. Im Falle von Wegen Gottes im Herzen immer gute Spuren. Spuren, die, wie es in Vers 7 heißt, auch ein Tal der Tränen zu einem Quellort machen können, den Gott mit Segnungen bedeckt.
Was können diese Spuren sein? Die Früchte des Geistes, die Gebote der Bergpredigt, die Lehren der apostolischen Briefe? Alles und alles Weitere, was Gott uns in seinem Wort gibt.
Mit diesen Gedanken hüllte man sich in den Schlafsack.
Am zweiten Tag ging man weiter. Der Gebirgspass wurde jetzt noch steiler, unsicherer und unübersichtlicher. Aber man hatte gelernt: dranbleiben. Und es gab weiter die Markierungen. An denen konnte man sich orientieren und kam so nachmittags am breiten, braunen Landhaus des älteren Mannes an, bei dem der Wagen noch unbeirrbar stand. Als man den Blick nochmals zurück auf das Felsmassiv richtete, wusste man, dass Gott einem auch diesen Weg gebahnt hat.
„O HERR der Heerscharen, wohl dem Menschen, der auf dich vertraut!“